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7. bis 13. Tag: Trekking auf dem Ajjer Plateau
Am nächsten Morgen Aufbruch zu Fuß, die Geländewagen bleiben zurück. Die nächsten 7 bis 8 Tage sind wir auf unsere eigenen Kräfte angewiesen. Die Lastkamele tragen Gepäck, Wasser, Küchen- und Übernachtungsutensilien, alles außer dem kleinen Tagesrucksack, den jeder selber trägt. Ein Reitkamel wird mitgeführt, falls jemand krank wird oder mal vom Laufen erschöpft ist.
Das Plateau des Tassili n’Ajjer ist in der Umgebung von Djanet und weit westlich und östlich davon mit Fahrzeugen nicht zu befahren. Das gesamte Gebiet ist zum Nationalpark erklärt und jeder Besucher muss sich an die gesetzlichen Regeln halten, die Parkverwaltung erteilt eine Besuchsgenehmigung. Die begleitenden Führer achten auf Einhaltung der Vorschriften.
Nur zu Fuß und unter Begleitung von Eseln oder Kamelen, die das Gepäck tragen, kann die Plateauhöhe erklommen, die einmalig schöne Landschaft bestaunt und die Fülle der zum Teil phantastisch gut erhaltenen Felsmalereien aus der Jungsteinzeit besucht werden.
Es gibt verschiedene Möglichkeiten das Tassili zu erkunden; zu den beliebtesten gehört ein 3½-tägiger Ausflug mit Eseln als Tragetieren (wie im Tourenverlauf Tassili-Hoggar-Expedition angeboten). Wer jedoch gern wandert und abgelegenere Landschaften auf dem Plateau mit Muße kennen lernen möchte, ist bei dieser Trekkingtour gut aufgehoben.
Die etwa 500 bis 600 Höhenmeter des Aufstiegs sind mit guter Kondition und einigen Verschnaufpausen in zwei Tagesetappen zu schaffen. Meist wird auf halber Höhe übernachtet – vor allem mit Rücksicht auf die Kamele, die vorsichtig und langsam geführt werden müssen, da das Gehen für die Tiere in dem steinigen und steilen
Gelände sehr anstrengend ist. Seit einiger Zeit benutzen wir eine der nördlichsten Aufstiegsmöglichkeiten, das Akba Assakao. Akbas sind tiefe Einschnitte in die Plateaukante, die in Serpentinen aufwärts führen. Das Akba Assakao ist nicht ganz so hoch wie andere Stellen und es führt eine alte, aufgelassene, koloniale Autopiste aufs Plateau. Das französische Militär glaubte lange Zeit, dass es möglich sein müsse mit Fahrzeugen das Plateau zu überqueren, was aber nicht realisierbar war. Wir stoßen in den nächsten Tagen immer wieder auf verwehte Reste dieser alten Piste, was das Gehen manchmal erleichtert.
Auf der Plateauhöhe angelangt, genießen wir erst einmal die bezaubernde Fernsicht, zurück auf das riesige Dünengebiet des Erg Admer und die Vorstufen des Plateaus. Später finden wir Reste eines alten Militärstützpunkts aus der Kolonialzeit und dann führt uns der Weg in den nächsten Tagen oft über felsigen, glatten Untergrund, ohne großen Höhenunterschied. Die Tagesetappen teilen sich in ca. 3-stündige Wanderungen jeweils am Vormittag und am Nachmittag auf. Die Kamele gehen mit den Chameliers oft einen anderen, direkteren Weg zum Mittags- und Abendrastlager. Die Wandergruppe wird von kundigen Führern begleitet, die uns - oft überraschend - zu versteckten Felsbildern und durch unglaubliche Felsenlabyrinthe lotsen.
Die faszinierenden Felsformationen vermitteln dem Auge des Betrachters immer wieder neue Eindrücke von steinernen Straßen, Plätzen und Arkaden. Immer neue bizarre Umrisse und Formen tauchen auf. Grandios ist die Stille, die diese architektonischen Meisterleistungen der Natur umgibt, denn wir treffen während der ersten Tage des Treks nur wenige Menschen. Ganz vereinzelt leben noch wenige Nomaden in dieser Region, hin und wieder überqueren Schmuggler nach Libyen zu Fuß das Plateau. Erst in Sefar kreuzen wir kurz die Wege anderer Gruppen, die meist nur den kurzen dreitägigen Trip unternehmen.
Zwischen diesen beinahe wie Großstädte anmutenden Monumentallandschaften sind weite Ebenen zu durchqueren, die den Blick frei und ungehindert schweifen lassen, bevor wir wieder ins nächste Felsgewirr eintauchen. An einigen Stellen überraschen uns sogar Dünen zwischen den Felstürmen.
Unser Weg führt von der Region Tin Aressou nach Tin Aboteka, einem Paradies der Felsbildkunst. Die Darstellungen – Bogenschützen und Jäger – erreichen zum Teil eine Höhe von 1,70 m. Weitere Bilder erwarten uns im „Felsenschloss“ von Tin Tazarift, weite säulengerahmte Plätze geben den Blick frei auf neolithische Kunstwerke, deren Schönheit für sich spricht. Zu den bekanntesten Motiven gehört hier die Darstellung von Kriegern in einem Boot
Wir erreichen das bereits erwähnte Sefar, ein wahrhaftes Labyrinth von Säulen, Türmen und Höhlen; deutlich erkennt man die Spuren des Wassers, welches die Felswände geformt hat. Unter vielen Bildern ragt die berühmte Abbildung des „Großen Gottes von Sefar“ heraus.
Tausendjährige Duprez-Zypressen, kleine Wasserstellen und kümmerliche Vegetation zeugen davon, dass vor ca. 8 bis 10.000 Jahren die Umgebung weit weniger lebensfeindlich war. Dies verdeutlichen aber besonders die zahlreichen Tierabbildungen, darunter am häufigsten Großwild wie Elefanten, Giraffen, Nashörner, Antilopen und Urrinder, aber auch bereits domestizierte Tiere wie Rinder, Schafe und Hunde. Sie legen Zeugnis ab von einer ergiebigen Feuchtperiode, die es den Menschen der Jungsteinzeit erlaubte – zunächst als Sammler und Jäger, später als Hirten und womöglich sogar Bauern – auf diesem Plateau zu leben.
Von Sefar führt uns unsere Wanderung über In Etouami und In Itinen nach Tamrit, zur wunderschönen Höhle von Tan Zoumaitak. Der atemberaubende Blick in die schwindelnde Tiefe des Canyons von Tamrit ist ein weiterer Höhepunkt dieser Tour.
14. und 15.Tag: Abstieg vom Plateau und Oasenstadt Djanet
Der sehr steile Abstieg ins Akba Tafilalet ist mühsam für die Kamele, aber auch wir Menschen müssen langsam und vorsichtig durch die gerölligen Halden abwärts gehen. Belohnt werden wir durch gewaltige Ausblicke in die Schluchten des Plateaus und die großartige Umgebung. Nachtlager machen wir meist im Granit auf halber Höhe, bevor es am letzten Vormittag endgültig zum Fuß des Plateaus abwärts geht, wo uns die
Geländewagen erwarten. Wir nehmen Abschied von unseren Karawanen-Begleitern. Eine kurze Fahrt bringt uns nach Djanet, wo eine Dusche auf uns wartet und vor dem Rückflug ein Besuch des Ortes stattfinden kann.
Letzte Nacht in den Dünen des Oued In Debiren, in der Nähe der berühmten Felsgravuren mit den „weinenden Rindern“, nicht weit entfernt vom Flughafen. Früh am nächsten Morgen (je nach Flugplan auch in der Nacht) Fahrt zum Flughafen und Check-in. Ein Jet der Air Algerie bringt uns zurück nach Frankfurt. Mancher von uns wird es als Umstieg von einem „anderen Planeten“ in die Moderne empfinden.
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