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Ein Bus bringt uns auf Asphalt ca. 1000 km weit nach Nordosten an den Südrand des Aïr-Gebirges. Die unterschiedlichen Siedlungsformen der ländlichen Bevölkerung Nigers in den weiten, flachen Sahellandschaften ziehen an uns vorbei. Sie werden feststellen, dass der Sahel nicht nur eine Problemzone ist, sondern auch heitere und frohe Begegnungen bereithält. Damit es nicht allzu strapaziös wird, werden wir ab und zu einen kurzen Halt in der einen oder anderen Ortschaft einlegen. Trotzdem bleibt diese Fahrt ein Transfer. Wir wollen auf schnellstem Weg nach Agadez; für den Transfer muß man ca. einen Tag einkalkulieren.
Inlandflüge von Niamey nach Agadez und zurück ließen sich in letzter Zeit nicht realisieren, wir versuchen jedoch weiterhin unser Möglichstes...
3. bis etwa 5. Tag: Fahrt nach Iferouane, Treffen mit der Karawanenmannschaft
Agadez, die Sultansstadt, "vibriert" buchstäblich vor Geschäftigkeit und Leben. Von dem etwa 4-jährigen bewaffneten Konflikt im Ostniger, der 1995 abflaute, ist nichts mehr zu spüren. Das alte Handelszentrum Agadez war und ist immer Schnittpunkt vieler Kulturen und Ethnien gewesen. Sicherlich sehen Sie haushoch beladene, aus Libyen kommende Lastwagen, daneben Tuaregnomaden mit ihren Kamelen und bunt geschmückte Bororo-Nomaden, mit ihren typischen Lederhüten.
Nach einem kurzen Markt- und Stadtbesuch, einigen Einkäufen und einem Mittagessen im Lehmhaus unserer örtlichen Agentur, steigen wir in die Geländewagen, die uns auf raschestem Weg zum Ausgangspunkt der Karawanenstrecke bringen.
Eine recht gute Asphaltstraße führt am Westrand des Aïrs nach Norden. Bereits nach ca. 190 km verlassen wir die Straße und folgen Pisten, die uns nach Osten bringen. Durch die Täler Gougaram, Inawak, Inoudoubane, Agouaw und Tades verläuft die Route und nach ein bis zwei Fahrtagen treffen wir im Oued Edibni auf die Karawanenmannschaft. Nachtlager und erste Bekanntschaft mit den begleitenden Tuaregnomaden, mit denen wir die nächsten 9 oder 10 Tage verbringen werden. Somit werden wir auch die Geländefahrzeuge und unsere Fahrer erst in ca. 9 Tagen wieder treffen.
Mit den noch traditionell lebenden Nomaden und ihren Kamelen werden wir zunächst 5 Tage durch das Tamgakmassiv trekken. Das Tamgak ist ein gewaltiger granitener Pluton, ein kreisrundes, vulkanisches Bergmassiv von ca. 40 km Durchmesser, dessen höchste Höhe 1988 m beträgt. Das Aïr-Gebirge und seine Ringplutonen und Massive entstanden vor Hunderten Millionen von Jahren. Das Aufstiegszentrum liegt gut 1000 km südlich in Nigeria, während die Erdkrustenplatte samt der Magmakammern und Berge allmählich nach Norden wanderten. Die Vulkankegel und erstarrten Lavaströme, die sich mit anderen Sedimenten als viele tausend Meter mächtige Schichten abgelagert hatten, wurden im Laufe der Zeit von den Kräften der Verwitterung abgetragen und - einzigartig auf der Erde - sogar ehemalige Magmakammern freigelegt.
Durch diese geologisch und landschaftlich beindruckende Bergregion führen uns die Tuaregbegleiter, während die Kamele unser Gepäck, Ausrüstung usw. befördern. Die felsigen Schluchten und Bergpfade sind für die Tiere beschwerlich und wir gehen oft zu Fuß, um die Tiere nicht zu belasten. Bergsteigerische Fähigkeiten sind nicht erforderlich, aber gute Kondition und Trittsicherheit. Hin und wieder wird die Gruppe auch mit einem Führer getrennt von den Kamelen unterwegs sein, nur mit Tagesrucksack und dem Notwendigsten ausgerüstet. Alle Etappenangaben die nun folgen sind Anhaltspunkte und können variieren, je nach Kondition der Teilnehmer und den Weideverhältnissen für die Tiere. Nach dem Verlassen des Massivs (nach etwa 5 Tagen) kann dann wieder ausgiebiger geritten werden, da sich dann die Landschaft stark verändert.
6. bis etwa 14. Tag: Unterwegs mit der Karawane
Am ersten Karawanentag dauert es morgens sicher etwas länger, bis alle Tiere beladen und das Gepäck gut verteilt ist. Dies spielt sich meist jeden Tag besser ein, aber es kann schon mal Verzögerungen geben, wenn die Tiere etwas störrischer oder zum Weiden weit weg gelaufen sind. Geduld und Flexibilität sind gefragt bei Karawanentouren und alle Beteiligten tragen zum Gelingen bei. Wer schon öfter Karawanentouren mitgemacht hat oder nach einiger Zeit das anfänglich chaotisch erscheinende Be- und Entladen kennengelernt hat, kann sich beteiligen am Sammeln und Beladen der Tiere, aber immer in Zusammenarbeit mit den Nomaden, die die Tiere bestens kennen.
1. Tag der Karawane: Richtung Osten brechen wir auf und gelangen südlich des Bergs Saghen in eine Schlucht, die das Massiv von West nach Ost durchquert und der wir in den nächsten Tagen folgen. Ihre Entstehung verdankt die Schlucht aufsteigenden Magmablasen, die bereits vorhandene Blasen bedrängten und einen tiefen Dehnungsriss hinterliessen. Am Wegesrand liegt eine kleine Moschee, die von den Nomaden der Kel Tamgak erbaut wurde. Wir durchwandern das sandige Flussbett, vorbei an einigen Gueltas (Wasserbecken), die nach guten Regenzeiten reichlich klares Wasser enthalten und vorbei an Doumplamen, der typischen Palmenart des Berglandes. Vielleicht bekommen wir Affen und Klippschliefer zu Gesicht , die in den Felswänden herumklettern. Gegen Abend wird die Schlucht immer enger und am Fuß einer hohen Felswand (Ekade n'Raqquia) in der Nähe eines Gueltas wird gelagert.
2. Tag der Karawane: Wir überqueren einen kleinen felsigen Pass und folgen weiter der Schlucht mit ihren hohen, glatten Felswänden, nachmittags dann ein weiterer Passweg (Tizi tan Tanamaghrout), wo sich die Kamele schwer tun und einiger Ermunterung bedürfen, da sie sandiges Gelände natürlich bevorzugen. Wir erreichen die Ebene von Tin Tajad und übernachten.
3. Tag der Karawane: Weiter über die Ebene, eventuell treffen wir auf Nomadenlager, mittags wird am Guelta von You-m-Addaghas gerastet und das Nachtlager liegt im Tal Angher.
4. Tag der Karawane: Heute ist der Tag der Pässe, zunächst der steile Pass von Tchoum Eberrim und dann, nach der Mittagsrast der Pass Tizi tan Essalakh. Nachtlager im felsigen Tal von Tagardet.
5. Tag der Karawane: Heute gilt es den letzten Pass zu überwinden (Tizi tan Ifezane), von dessen Höhe wir in der Ferne die goldfarbenen Sanddünen der Ténéré erblicken können. Hinter dem Pass liegt das gleichnamige Guelta zwischen den Felswänden einer sogenannten Megabrekzie, pastellfarbige Granit- und Gneisblöcke eingebettet im vom Wasser glattpolierten schwarzen magmatischen Gestein. Die Entstehung erklären Geologen wie folgt: Glutflüssiges Magma stieg auf und umströmte Granit und Gneis, bevor sie diese jedoch aufschmolzen stoppte der Glutfluß - ein phantastischer Anblick im Verbund mit der Wasserstelle. Bald darauf verlassen wir das Tamgakmassiv und erreichen das Oued Tioulmas und damit die Aïr-Ostseite. Weicher, goldfarbener Sand empfängt uns in einer völlig veränderten Landschaft; im Rücken haben wir die schwarze Wand des Tamgak, vor uns liegen Dünen soweit das Auge reicht und in der Ferne taucht bereits unser nächstes Ziel auf: Der Adrar Chiriet, ein dem Gebirge vorgelagertes weiteres Massiv, ebenfalls ein Ringpluton.
6. Tag der Karawane: Die Kamele sind nun in ihrem ureigenen Element und wir genießen es, aufsteigen und reiten zu können nach Belieben. Mittagsrast möglichst am Brunnen von Tchoum Adegdeg, wo man fast immer auf Tuaregnomaden trifft, die ihre Herden tränken. Natürlich werden auch wir die Gelegenheit wahrnehmen, unsere Tiere zu versorgen und uns ausgiebig zu waschen. Auf alten Karawanenspuren reiten wir über einen kleinen felsigen Pass (Tizi n'Tchitek). Nördlich ragt das Chiriet-Massiv aus dem Dünenmeer und südlich von uns das Taghmert-Massiv. Wir passieren präislamische Gräber an Hängen und übernachten auf der Ebene von Teglawin.
7. Tag der Karawane: Weiterritt über die Ebene auf den Adrar Chiriet zu und Übernachtung südöstlich davon im Tal Tchin Tabourak.
8. Tag der Karawane: Wir umrunden den Chiriet in Richtung Osten und gelangen über eine kleine von Sanddünen begrenzte Ebene und einen kleinen Pass in das fast kreisrunde Innere des Bergmassivs. Über den Pass müssen die Kamele geführt werden, bis wir das sandige, aber mit Vegetation bestandene Felsenrund der inneren Arena erreichen. Dieses Nachtlager wird noch lange in der Erinnerung bleiben aufgrund seiner besonderen Lage.
9. Tag der Karawane: Wir verlassen den Chiriet wieder Richtung Nordwesten und reiten nach Norden in das Tal von Abalaklak mit kleinen weißen Sanddünen, wo bereits die Geländewagen und ihre Fahrer auf uns warten. Der Abschied von der Karawanenmannschaft fällt manchem sicher recht schwer, aber neue Eindrücke warten bereits auf uns.
15. bis 16. Tag: Marmorberge in der Ténéré
Nach den intensiven Erlebnissen der letzten Tage zu Fuß und reitend ist es immer eine Umstellung wieder mit den Geländewagen zu fahren, aber schnell hat man sich wieder daran gewöhnt und wir lernen die Region nun auch etwas großräumiger kennen. In atemberaubender Dünenfahrt steuern wir die Blauen Berge von Izouzadene an. Ein geologisches Wunder inmitten des Dünenmeers, ein Skulpturengarten aus Marmor! Was einst unter hohem Druck in der Tiefe der Erde entstand, liegt nun freigeweht vom Sandstrahlgebläse des Wüstenwindes an der Oberfläche: eine Traumwelt aus bläulich schimmderndem Marmor. Hohe Dünen und sandige Hänge erlauben den Aufstieg bis zu den Gipfeln der Marmorberge. Bei klarer Sicht hat man einen wunderschönen Blick auf das Aïr-Gebirge in der Ferne. Die bläuliche Färbung des Gesteins kommt durch Lichtbrechung in der Gesteinsstruktur und selektive Rückstrahlung des blauen Anteils zustande.
Wir wenden uns nun wieder nach Westen und besuchen die höchsten Dünen der südlichen Sahara in Temet. Unbedingt sollte jeder eine Wanderung auf die höchsten Dünenpunkte unternehmen, um die wirklich spektakuläre Aussicht auf das schwarz und unwirtlich wirkende Massiv des Mont Greboun (der zweithöchsten Erhebung im Aïr) und die umliegende, in starkem Kontrast dazu stehende, helle Sandlandschaft in sich aufzunehmen.
17. bis etwa 19. Tag: Aïr-Gebirge und Oasen
Wir verlassen die Dünen und tauchen mit den Fahrzeugen wieder ein ins Gebirge, folgen sandgefüllten Tälern (Koris) und erreichen die schön gelegene Oase Iferouane und damit sind wir wieder am Fuße des Tamgak. Ein Spaziergang durch die Oase und ihre üppigen Gärten gibt einen guten Eindruck von der Oasenwirtschaft im Aïr. Zugochsen oder Kamele ziehen Wasser aus den Schöpfbrunnen, welches in einem ausgeklügelten Bewässerungssystem in die Gärten und Felder geleitet und dort von den Gärtnern verteilt wird. Angebaut werden Getreide, meist Hirse oder Gerste, und verschiedenste Gemüsesorten, beschattet werden die Felder von Obst- und Zitrusbäumen sowie Palmen. Lebensgrundlage der Bewohner sind die Salzkarawanen sowie Kleintierhaltung, aber in guten Erntejahren tragen die Erlöse aus den Oasengärten einen wichtigen Teil bei.
Über holprige Pisten fahren wir südwärts durchs Gebirge zur OaseTimia, die sicherlich die schönstgelegene des ganzen Aïr ist. Große Gärten mit zum Teil mächtigen Akazien als Schattenspender ziehen sich entlang der Wadis, steile Felswände begrenzen den Siedlungsraum und am Südende des Ortes nach Durchfahrt einer kleinen Schlucht überrascht uns ein riesiges Guelta, dessen hochaufragende Basaltsäulen fast wie eine Theaterkulisse wirken. In Timia besteht die Möglichkeit in einem einfachen kleinen Campement (dessen Bau wir über die Deutsch-Nigrische-Freundschaftsgesellschaft mitfinanziert haben) zu übernachten und den Ort ausführlich zu besuchen. Dabei kommt es erfahrungsgemäß zu vielerlei Kontakten mit der Dorfbevölkerung und es werden unzählige Souvenirs angeboten. Abends kann - wenn die Stimmung dafür vorhanden ist - ein kleines Tuaregfest organisiert werden, welches einen guten Eindruck von den traditionellen Tänzen und Reiterspielen gibt.
20. bis etwa 23. Tag: Rückreise und Flug
Weiterfahrt über kleinere Tuareg-Siedlungen wie El Meki zurück nach Agadez, meist Hotelübernachtung (oder evtl. auch nochmal im Freien) und am nächsten Morgen frühzeitig Abfahrt mit den Transferfahrzeugen nach Niamey zum Rückflug.
Wenn zeitlich möglich, Hotelübernachtung in Niamey mit fakultativer Möglichkeit zum Besuch der Stadt (Märkte, Museum, Nigerufer, evtl. Pirogenfahrt), bevor meist nachts der Rückflug stattfindet.
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